Ein indischer Wandbehang ist eine bedruckte oder bemalte Baumwollbahn aus den Textiltraditionen des Subkontinents: Holzmodeldruck (Block Print) aus Rajasthan, Malerei mit dem Schreibrohr (Kalamkari) aus dem Süden, Stickereien aus Gujarat. Seine in Europa verbreitetsten Muster sind das Mandala, der Lebensbaum und das Boteh – das Tropfenmotiv, das man im Westen Paisley nennt. Er passt überallhin, vorausgesetzt, du gönnst ihm eine Wand für sich allein.
Ein Textil, das nie nur Dekoration war
Indien bedruckt seit mehr als zwei Jahrtausenden Baumwolle, und diese Textilien gehörten zu den großen Handelsgütern der antiken Welt: Bedruckte indische Baumwollstoffe wurden bei Ausgrabungen in Ägypten gefunden, und der Handel mit Europa war im 17. und 18. Jahrhundert so umfangreich, dass Frankreich die Einfuhr der „Indiennes“ zeitweise verbot, um seine eigenen Manufakturen zu schützen.
Diese Stoffe dienten als Türvorhänge, Baldachine, Altardecken und Steppdecken. Die dekorative Stoffbahn an der Wand eines europäischen Wohnzimmers ist eine junge Verwendung; das Textil selbst ist alt.
Die wichtigsten Techniken
Block Print
Die bekannteste. Handgeschnitzte Holzmodel, eines pro Farbe, werden nacheinander auf den gespannten Stoff gedrückt. Jedes Model wird nach Augenmaß ausgerichtet, daher die leichten Passerverschiebungen zwischen den Farben – das Markenzeichen des Verfahrens.
So erkennst du ihn: Schau dir die Konturen an. Ein Block Print zeigt kleine Unregelmäßigkeiten und dichtere Farbe an den Rändern des Motivs; ein Digitaldruck ist vollkommen gleichmäßig.
Kalamkari
Eine Technik aus Südindien, bei der das Muster mit dem Kalam, einem Schreibrohr aus Bambus, gezeichnet wird, oft mit Pflanzenfarben. Die Linie ist fein, erzählerisch, nah an der Zeichnung. Kalamkari erzählen traditionell Episoden aus der Mythologie.
Stickereien und Applikationen
Aus Gujarat und Rajasthan, manchmal mit kleinen aufgenähten Spiegeln (Shisha). Es sind die handwerklichsten Stücke, oft die teuersten und diejenigen, die am schönsten altern.
Die drei Muster, die man überall sieht, und was sie bedeuten
Das Mandala. Ein konzentrisches Kreisdiagramm, Hilfsmittel der Meditation in der hinduistischen und buddhistischen Tradition. Es ist mit Abstand das im Westen am weitesten verbreitete Motiv, oft völlig aus dem Zusammenhang gelöst. Dieses Wissen ändert nichts an der Einrichtung, bewahrt dich aber davor, es als bloße Rosette zu behandeln.
Der Lebensbaum. Ein Baum mit Vögeln und Blüten, der in indischen Textilien ebenso vorkommt wie in persischen und europäischen Tapisserien. Seine Beliebtheit verdankt er wohl seiner Universalität: Nahezu alle Kulturen haben diesen Baum dargestellt.
Das Boteh oder Paisley. Das gebogene Tropfenmotiv, in Persien entstanden, durch die Kaschmirschals verbreitet und im Westen in „Paisley“ umbenannt – nach der schottischen Stadt, die es im 19. Jahrhundert industriell herstellte. Es ist eines der wenigen Muster, die um die Welt gereist sind und dabei an jeder Station ihren Namen gewechselt haben.
So integrierst du ihn, ohne im Restaurant-Look zu landen
Ein paar einfache Grundsätze, die sich auch einhalten lassen.
Ein dichtes Muster braucht freien Raum drumherum. Das ist die wichtigste Regel. Ein indischer Wandbehang ist von Natur aus üppig: feine Konturen, Füllungen, Wiederholungen. Er braucht eine freie Wand und ruhige Möbel. Neben einem bedruckten Sofa und einem gemusterten Teppich geht er im Lärm unter.
Ein Stück pro Raum. Ein Wandbehang, und der Rest schlicht. Zwei indische Wandbehänge plus passende Kissen plus eine Kupferlampe, und schon kippt es in die Themendeko.
Achte auf das Licht. Handbedruckte Baumwollstoffe werden oft mit Pigmenten gefärbt, die weniger lichtbeständig sind als beim Industriedruck. Meide die Wand, die die Nachmittagssonne abbekommt.
Prüfe die Grammatur. Die großen indischen Formate sind meist aus leichter Baumwolle. Das macht ihren Preis möglich, sorgt aber auch dafür, dass sie ab zwei Metern Breite Wellen schlagen.
Dieses Repertoire bei Vent de Bohème

PAJARO mit seinen großen Paisley-Arabesken, ein Erbe des indischen Repertoires.
Wir verkaufen keine indischen Wandbehänge: Unsere Wandbehänge werden auf einen in Mailand hergestellten Polyesterstoff in Samtoptik gedruckt, nach Mustern, die für die Marke von Hand gezeichnet wurden.
Doch das indische Dekorrepertoire gehört zu dem, was uns inspiriert, und das sieht man vor allem bei PAJARO: ein goldener Vogel inmitten großer Paisley-Arabesken, eine rosa Pfingstrose und ein Garten aus kleinen Blumen auf safrangelbem Grund. Das Boteh wird hier als Form aufgegriffen, nicht als Zitat.
In einem anderen Register spielt LOUISON mit üppiger Blütenfülle auf dunklem Grund – jene gartenartige Dichte, die man auch in alten Indiennes findet.
Häufige Fragen
Was ist ein indischer Wandbehang? Eine Textilbahn, fast immer aus Baumwolle, aus den Druck- und Maltraditionen des indischen Subkontinents: Block Print mit Holzmodeln, mit dem Schreibrohr gemaltes Kalamkari oder Stickerei.
Woran erkennt man einen handgefertigten Block Print? An kleinen Passerungenauigkeiten zwischen den Farben und an der dichteren Farbe an den Konturen. Ein Digitaldruck ist vollkommen gleichmäßig.
Was bedeutet das Lebensbaum-Motiv? Es ist eine universelle Darstellung, die in indischen Textilien ebenso vorkommt wie in persischen und europäischen Tapisserien: ein Baum mit Vögeln und Blüten, Symbol für Fruchtbarkeit und Beständigkeit.
Ist das Paisleymuster indisch oder persisch? Das Boteh entsteht in Persien, verbreitet sich über die Kaschmirschals und erhält im Westen den Namen „Paisley“ – nach der schottischen Stadt, die es im 19. Jahrhundert industriell herstellte.
Wie dekoriert man mit einem indischen Wandbehang, ohne zu überladen? Ein Stück pro Raum, an einer freien Wand, mit ruhigen Möbeln und Textilien drumherum.
Weiterlesen: Japanischer Wandbehang · Wandbehänge aus aller Welt · PAJARO ansehen